Antientzündliche Ernährung – warum Essen das stärkste Werkzeug gegen Entzündungen ist
- celinekunze
- 21. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Vielleicht hast du auf Instagram bereits einige Nährstoffe gesehen, die entzündungsregulierend wirken können. Doch Ernährung wirkt nicht isoliert und Entzündung ist selten ein einzelnes Problem. Um zu verstehen, warum Ernährung so ein starkes Werkzeug ist, müssen wir tiefer schauen.
Was bei chronischen Entzündungen im Körper passiert
Chronische Entzündungen unterscheiden sich deutlich von akuten Entzündungen. Sie entstehen nicht plötzlich, sondern schleichend und oft über Jahre. Das Immunsystem ist dabei dauerhaft aktiviert, obwohl keine akute Infektion vorliegt.
Das Problem: Der Körper befindet sich dauernd im Alarmzustand, ohne je richtig zur Ruhe zu kommen.
1. Das Immunsystem ist dauerhaft aktiviert
Bei stillen Entzündungen werden kontinuierlich entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. Zytokine) freigesetzt. Diese wirken nicht nur lokal, sondern beeinflussen:
den Stoffwechsel
die Hormonregulation
die Regenerationsfähigkeit
das Energielevel
Die Folgen sind oft unspezifisch: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme oder Abnehmblockaden, diffuse Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden.
2. Der Darm spielt eine zentrale Rolle
Ein Großteil des Immunsystems sitzt im Darm. Ist die Darmbarriere geschwächt oder das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht geraten, können entzündungsfördernde Stoffe leichter in den Körper gelangen. Das kann Entzündungsprozesse verstärken, das Immunsystem zusätzlich reizen und die Nährstoffaufnahme verschlechtern.
3. Blutzuckerschwankungen fördern Entzündungen
Stark schwankende Blutzucker- und Insulinwerte belasten den Stoffwechsel erheblich. Vor allem eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Kohlenhydraten und Zucker kann entzündliche Prozesse verstärken.
Insulin wirkt dabei nicht nur blutzuckerregulierend, sondern beeinflusst auch:
entzündliche Signalwege
das Fettgewebe (insbesondere viszerales Bauchfett)
hormonelle Prozesse
4. Ungünstige Fettsäureverhältnisse verstärken Entzündung
Unsere Zellmembranen bestehen zu einem großen Teil aus Fettsäuren. Ein Überwiegen entzündungsfördernder Fettsäuren (v. a. Omega-6) bei gleichzeitigem Mangel an Omega-3-Fettsäuren kann:
entzündliche Reaktionen begünstigen
die Immunantwort ungünstig beeinflussen
die Zellkommunikation stören
Dieses Verhältnis wird täglich über die Ernährung gesteuert – oft unbewusst.
5. Chronischer Stress verstärkt entzündliche Prozesse
Dauerstress führt zu erhöhten Cortisolspiegeln. Kurzfristig wirkt Cortisol entzündungshemmend. Langfristig kann es jedoch:
das Immunsystem dysregulieren
die Darmbarriere schwächen
Blutzucker und Schlaf negativ beeinflussen
Stress, Schlafmangel und Entzündung verstärken sich dadurch gegenseitig.
Warum antientzündliche Ernährung nicht aus einzelnen Nährstoffen besteht

Omega-3-Fettsäuren, Polyphenole, Magnesium oder Zink können entzündungsregulierend wirken, aber nur im richtigen Kontext.
Ein paar Beispiele aus der ernährungstherapeutischen Praxis:
Omega-3 (EPA und DHA) sind wichtige Bestandteile unserer Zellmembranen. Erst wenn sie dort tatsächlich eingebaut sind, können sie entzündungsauflösende Prozesse unterstützen. Ob das gelingt hängt u.a. von einer funktionierenden Fettverdauung, dem Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 in der Ernährung und der regelmäßigen Einbindung in den Alltag ab.
Ballaststoffe wirken entzündungsregulierend, weil Darmbakterien aus ihnen kurzkettige Fettsäuren bilden. Diese Stoffe versorgen die Darmschleimhaut, stärken die Barriere und beeinflussen das Immunsystem positiv. Bei einer gestörten Darmflora oder ausgeprägten Reizdarmsymptomen kann jedoch ein "Mehr" an Ballaststoffen Blähungen verstärken und Entzündungsprozesse fördern. Hier zeigt sich sehr deutlich: Was grundsätzlich gesund ist, muss nicht in jeder Situation hilfreich sein.
Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in Beeren, Kräutern, Tee, Kakao oder Gemüse vorkommen. Sie wirken nicht wie klassische Nährstoffe sondern eher als Signalsubstanzen. Ihre entzündungsregulierende Wirkung entsteht vor allem dann, wenn das Darmmikrobiom sie in aktive Metaboliten umwandeln kann und Verdauung und Darmbarriere stabil sind. Ohne diese Voraussetzungen bleibt ihre Wirkung begrenzt, oder sie werden schlicht nicht vertragen.
Magnesium und Zink sind an zahlreichen enzymatischen Prozessen beteiligt, unter anderem an: Stressregulation, Immunfunktion und Zellschutzmechanismen. Sie können Entzündungsprozesse unterstützen, aber vor allem dann, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Bei anhaltendem Stress, instabilem Blutzucker oder chronischer Überlastung bleiben selbst gut dosierte Supplemente oft wirkungslos.
Eine antientzündliche Ernährung ist kein Konzept einzelner Nährstoffe, sondern zielt darauf ab, Entzündungsprozesse im Körper ganzheitlich zu regulieren.
Antientzündlich zu essen bedeutet nicht Verzicht oder Perfektion. Es bedeutet, den Körper gezielt zu entlasten.
Ernährungstherapeutisch entscheidend sind dabei unter anderem:
eine Mahlzeitenstruktur, die den Blutzucker stabil hält
ausreichende Proteinzufuhr und Fettqualität
individuell verträgliche Ballaststoffe
eine Essfrequenz, die Stoffwechselruhe erlaubt
ausreichende Energiezufuhr (keine Dauerrestriktion)
Was entzündungshemmend wirkt, ist nicht universell, sondern abhängig vom Menschen. Manchen ist entzündungsregulierend:
weniger oft zu essen statt „noch gesünder“
einfacher zu essen statt komplexer
oder regelmäßiger zu essen statt zu optimieren
Fazit
Antientzündliche Ernährung ist keine Diät und keine Trendform. Sie ist ein individueller Prozess, der dort ansetzt, wo Entzündungen entstehen: im Stoffwechsel, im Darm, im Nervensystem.
Deshalb gibt es keine allgemeingültige Lösung, aber sehr wohl einen klaren therapeutischen Rahmen.
Möchtest du tiefer gehen?
Wenn du herausfinden möchtest,
welche Faktoren bei dir Entzündungen begünstigen
welche Nährstoffe für dich sinnvoll sind
und wie Ernährung gezielt regulierend eingesetzt werden kann
begleite ich dich gerne individuell.




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